Ende 2017 stieg der Marktwert von Kryptowährungen ins Unermessliche – und damit wuchs auch ihre Bekanntheit. Mehr als zehn Jahre nachdem das Aufkommen der Blockchain-Technologie die Finanzwelt verzückt hatte, wuchs das Interesse daran erneut. Die Blockchain-Technologie steht jedoch für mehr als nur für Kryptowährungen und hat das Potenzial, in vielen anderen Branchen eingesetzt zu werden, in denen die Risiken der Implementierung und der Auswirkungen auf das Kundenvertrauen nicht so hoch sind wie bei Finanzdienstleistungen.

Um das volle Potenzial der Blockchain-Technologie entfalten zu können, bedarf es einer neuen Denkweise und eines innovativen, agilen Herangehens. Anstatt die Einsatzmöglichkeiten der Technologie nur auf die Finanzbranche begrenzt zu sehen, könnten Industrieunternehmen die Eigenschaften der Blockchain für sich nutzen, z. B. um Änderungen in Bereichen anzustoßen, die in der Vergangenheit Hindernisse für den digitalen Fortschritt darstellten. Zu diesen Eigenschaften zählen z.B. die inhärente Sicherheit sowie die Unveränderbarkeit der Inhalte, nachdem diese validiert und in einem Block gespeichert wurden; ebenso die dezentrale Verarbeitung, die sowohl Zusammenarbeit als auch Transparenz ermöglicht.

Die Blockchain-Technologie kann über eine Organisation hinaus deren Partner, Kunden und Lieferketten mit einbeziehen und erweitert die Möglichkeiten der Zusammenarbeit außerhalb der Ökosysteme einzelner Unternehmen. Die Distributed-Ledger-Technologie bedeutet, dass nur eine einzige Version eines Belegs wirklich verwendet wird, und sie kann dazu beitragen, eine Aktivität für alle sichtbar zu machen. Jede Partei erhält den gleichen Zugriff, so dass die Wahrscheinlichkeit verringert wird, dass Daten versteckt oder manipuliert werden, weil keine Partei die volle Kontrolle über die Datenbank hat.

Die ‚Outcome-Ökonomie‘ annehmen

Firmen beginnen damit, ihren Fokus von der Herstellung möglichst vieler Produkte und Teile hin zu einer möglichst hohen Wertschöpfung zu verlagern. Damit entsteht eine „Ergebnisökonomie“, die Geschäftsmodelle revolutioniert und einen handwerklichen Teilsektor mit Mikrofabriken schaffen wird, die größere Betriebe unterstützen. Veraltete IT-Strukturen und Daten-Silos verhindern jedoch oft eine reibungslose Zusammenarbeit, verzögern die Digitalisierung und beeinträchtigen den Fortschritt. Die Blockchain-Technologie könnte die Antwort darauf sein und den Wandel erleichtern, indem sie eine vertrauenswürdige und qualitativ hochwertige Quelle von Transaktionsinformationen für kleinere Fabriken und Lieferanten bietet. Darüber hinaus ist aber auch die Fähigkeit eines Herstellers, die Qualität seiner Produkte in der Lieferkette sicherzustellen, von entscheidender Bedeutung. Dieses unveränderbare Ledger wird bestätigen, dass ein Produkt durch den richtigen Prozess mit den richtigen Materialien hergestellt wurde, und bietet eine Zertifizierung für diesen Prozess. Aufzeichnungen von Seriennummern zum Beispiel bieten ebenfalls eine Verifizierungsebene für diesen Prozess.

Die digitale Transformation auf die nächste Stufe heben

Die digitale Transformation war für die Industrie bisher ein langsamer Prozess. Aber kaum ein Unternehmen kann es sich noch leisten, die Vorteile der Digitalisierung hinsichtlich Effizienz, Produktivität und Agilität zu ignorieren. Durch die Sammlung von Daten, die von Geräten und Maschinen geliefert werden, können wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, um Prozesse und Produktionen zu verbessern, was zu erheblichen Einsparungen führen kann. Dies hilft Unternehmen letztendlich, Kunden und Partnern bessere Services zu bieten und sich damit vom Wettbewerb abzuheben.

Die Integration der Blockchain-Technologie wird der laufenden digitalen Transformation eine weitere Dimension verleihen. Die Nutzung teurer Maschinen kann sich in Richtung eines Pay-per-Use-Modells verändern, um die Wertschöpfung zu erleichtern – so dass sich Unternehmen schnell anpassen können, ohne hohe Anfangsinvestitionen tätigen zu müssen. Die Anbieter der Maschinen wiederum werden durch den kontinuierlichen Einsatz in den Fabriken, in denen die Geräte laufen, zusätzliche Einnahmen erzielen.

Die Zukunft des autonomen Fahrens nicht aufs Spiel setzen

Sicherheitsbedenken bezüglich des eventuellen Hackings vernetzter Kraftfahrzeuge haben der weiteren Entwicklung in der Automobilindustrie geschadet. Je mehr ein Wagen vernetzt ist, desto größer – oder vielfältiger – ist die potenzielle Angriffsfläche. Viele dieser Bedenken können durch die Verwendung der Blockchain-Technologie ausgeräumt werden. Da es in einer Blockchain keine Möglichkeit gibt, Daten zu manipulieren oder zu ändern, nachdem sie gespeichert wurden, und jeder Transaktion eine zusätzliche Verschlüsselungsebene hinzugefügt wird, gelten Blockchains als natürlicher, nicht zu hackender Schutz vor böswilligen Angriffen. Diese besondere Art der Verschlüsselung stellt jedoch auch besondere Anforderungen. Ein einschränkender Faktor ist die lange Verarbeitungszeit, so dass sorgfältig geprüft werden muss, ob eine Anwendung im wirklichen Leben Sinn macht. Wenn Zeit allerdings keine große Rolle spielt, zum Beispiel bei der Berechnung von Kfz-Versicherungsprämien, bei Carsharing-Diensten oder Informationen über den Zustand eines Fahrzeugs, sind diese Aufgaben ideale Kandidaten für eine Blockchain. Solche Daten müssen sicher und vor Manipulationen geschützt gespeichert werden, dürfen aber auch nicht durch allzu lange Verschlüsselungszeiten beeinträchtigt werden. Im Gegensatz dazu müssen bei autonomen Fahrzeugen, die mit der gesamten Infrastruktur und anderen Fahrzeugen kommunizieren müssen, die Daten innerhalb von Mikrosekunden übertragen und verifiziert werden, so dass die Blockchain-Technologie hierfür nicht geeignet ist.

Neue Herstellungsmethoden und geistiges Eigentum

Die 3D-Druckindustrie ist nur ein Beispiel dafür, dass  der Diebstahl geistigen Eigentums ein echtes Problem darstellt. Die Druck-Dateien werden normalerweise auf konventionelle Art und Weise an Nutzer, Händler und ihre 3D-Drucker übertragen, was die Dateien mit den Designs sehr anfällig für Diebstahl macht. Um dem entgegenzuwirken, erstellt das Blockchain-System einen automatischen Audit-Trail, der es dem Anwender ermöglicht, die ordnungsgemäße Verwendung des 3D-Modells, der dabei eingesetzten Materialien und schließlich der Produktseriennummer zu verfolgen, damit diese auch wirklich in die Produkte integriert wird.

Den Blockchain-Ansatz neu denken

Unsere Industriegesellschaft verändert sich laufend weiter. Da ist es auch an der Zeit, den Blockchain-Ansatz zu überdenken und zu überlegen, wie Blockchains zur Verbesserung der Qualität von Transaktionen eingesetzt werden können. Blockchains werden in Niedrig-Risiko-Bereichen florieren und Prozessen, für die dies wichtig ist, eine zusätzliche Sicherheitsebene hinzufügen. Bevor Unternehmen die Technologie jedoch nutzen, müssen die Blockchains noch deutlich weiterentwickelt werden, um auch eine breitere Anwendung realisieren zu können. Eine große Aufgabe wird zum Beispiel die erforderliche Zertifizierung sein, und auch die Regulierungsbranche selbst wird einen gewissen Rückstand bei der Verwendung von Blockchains bei der Zertifizierung von Produkten aufholen müssen.

Der Zeit- und Kostenaufwand für die erstmalige Einrichtung wird für manche Firmen unerschwinglich sein und den zu erwartenden Nutzen bei weitem überwiegen. Außerdem muss es innerhalb der betreffenden Unternehmen parallel zur Einführung einen kulturellen Wandel geben, um sich des Einverständnisses der Endnutzer zu versichern. Durch die Sicherstellung einer kontinuierlichen Qualität von Anfang an – von der ersten Validierung der Anforderungen bis zum „Business as usual“ – können die Risiken jedoch minimiert werden. Und weil die Blockchain-Technologie kontinuierlich verbessert wird, sollten Unternehmen darüber nachdenken, wie sie damit positive Veränderungen bewirken können.

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