Guillaume Hauss, Technical Project Manager bei Expleo, erläutert, warum die Integration von isolierten Innovationen der entscheidende nächste Schritt ist, um das autonome Fahren voranzubringen.

Schnell lassen wir uns von der Vorstellung eines vollständig autonom fahrenden Fahrzeugs begeistern. Alle zwei Monate macht ein Start-up mit einer bahnbrechenden Kamera, einem Sensor, einer intelligenten Beleuchtung oder einem Data-Stream-Management-System Schlagzeilen. Wir befinden uns in einem automobilen Technologie-Rausch. Ausgelöst von bisher undenkbaren Lösungen, die in Laboren faszinierende Dinge leisten.

Aber genau hier liegt auch eine der Herausforderungen. Wir haben die Komponenten – aber kein System, um sie alle zusammenarbeiten zu lassen. Die Sprünge nach vorne geschehen isoliert. Natürlich macht es aus technischer Sicht mehr „Spaß“, neue Gadgets zu erfinden. Der deutlich trockenere Teil sind zum Beispiel Überlegungen, wie man neue Vorschriften für autonome Fahrzeuge entwickelt, Tankstellen für fahrerlose Autos ausrüstet oder Kreisverkehre sicher für Fußgänger macht.

Die Integration all dieser Innovationen ist ein großer Stolperstein für den Fortschritt. OEMs und Tier-1-Zulieferer stehen vor der Herausforderung, viele technologische Fortschritte zusammenzubringen, damit alles sicher funktioniert.

Die Puzzleteile für das System zusammenbringen

Ein Unternehmen wie Expleo kann hier den entscheidenden Unterschied ausmachen. Unsere Stärke liegt in der Systemarchitektur. Wir setzen die Teile des Puzzles zusammen. Wir sind einzigartig in der Branche, da wir multilaterale und multidisziplinäre Herausforderungen bewältigen können, wie z. B. die Unterstützung bei der Entwicklung komplexer Systeme, die aus Cloud-Service-Infrastrukturen, Embedded-Onboard-Systemen – und nicht zuletzt Kommunikationselementen, Netzwerken und Kanälen bestehen.

Die systemische Herangehensweise erfordert eine andere Art von Mitarbeiter. In diesem Fall punktet man weniger mit der Erfahrung aus 20 Jahre Forschung in einem Labor, sondern eher mit drei oder vier Jahre praktischer Erfahrung, inkrementellen Lernen, Arbeiten in einem Team von Gleichgesinnten, Gewinnen einer breiteren Sicht auf das, was möglich ist und wie es zusammenpasst.

Expleos Pilotprojekt „Autonomous Valet Parking“ (AVP) hat es unserem Team ermöglicht, alle notwendigen Schritte für die Autonomiestufe 4 (fahrerlos in einer kontrollierten Umgebung) zu entwickeln: von der Systemdefinition bis zur Anwendung auf einem Prototyp für embedded und cloudbasierte Dienste. AVP bot eine praktische Möglichkeit, modernste Technologien wie Deep Learning, Künstliche Intelligenz, Computer Vision und Data Fusion zu erforschen und anzuwenden.

Wir sehen, wie wichtig es ist, dass das Auto und die Infrastruktur eng zusammenarbeiten. Die Aufteilung der Verantwortung und Intelligenz zwischen beiden, basierend auf ihrer Fähigkeit, auf die relevanten Daten zuzugreifen, erwies sich in unserem AVP-Projekt als effektiver, als eines von beiden zum führenden System zu machen. In nur einem Jahr haben wir einen weiten Weg an Expertise und neuem Wissen für unsere Kunden zurückgelegt – bis hin zu einem Fahrzeugprototypen, einem durchgängigen Softwarepaket und einem Testparkhaus.

Level 4 ist multidisziplinäre Teamarbeit

Expleo hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte im Bereich der Simulation für die neue Mobilität gemacht. Darunter eine der wenigen ganzheitlichen Open-Source-Freeware-Simulationslösungen, die auf dem Markt erhältlich sind. Aktuell gibt es keine Simulationslösungen von der Stange, die dieses Niveau erreicht. Als Integrator hat Expleo Software und Algorithmen zusammengetragen, um eine End-to-End-Simulation zu ermöglichen, die die unzähligen Szenarien des autonomen Fahrens ganzheitlich validiert

Unsere Teams helfen den Kunden auch bei der Entwicklung neuer Lösungen auch in Bereichen wie der Entwicklung von Vorschriften, der Optimierung der Infrastruktur und der Cybersicherheit, ohne die es keine Level-5-Autonomie geben wird.

Wir erfinden (meistens) nicht die einzelnen Gadgets und schreiben keine kompletten Algorithmen, die ADAS, vernetzte Autos und autonomes Fahren voranbringen. Aber wie diese Technologien zusammenpassen, darüber besitzen unsere Teams ein tiefes, praktisches Wissen, auch gespeist aus unseren eigenen, internen Projekten. Wir arbeiten mit unseren verschiedenen Teams in Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien, Spanien und Rumänien zusammen und tauschen Informationen aus über Prüfstandssimulation, Infrastruktur, Lidar-Entwicklung – was auch immer benötigt wird. Wir wissen, wie man Innovationen in den Fahrzeugen von morgen denkt, gestaltet und integriert.

Im Moment ist die Industrie noch nicht umfassend aufgestellt, um eine kosteneffiziente und robuste Systemarchitektur bereitzustellen. Das ist der nächste Schritt. Solange dieser nicht geschafft ist, werden wir kein autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen sehen. Solange die Welt an Bord und die Außenwelt nicht zusammenarbeiten, wird es viele intelligente Technologien geben, aber nur wenige einsatzfähige Lösungen. Wir werden auf dem Laufband sprinten, aber nicht unter freiem Himmel laufen.

Guillaume Hauss, Technical Project Manager bei Expleo