Es ist unbestritten, dass Technologie heute für die meisten Unternehmen von zentraler Bedeutung ist, um Wettbewerbsvorteile zu gewinnen. Doch die rasante technologische Entwicklung erschwert den Unternehmen die Entscheidung, in welche Systeme und Tools – sowohl auf Seiten der Endanwender alsauch im „Back-Office“ – sie investieren sollen und wie sie den Erfolg dieser Investitionen bewerten können.

Nirgendwo ist der Konkurrenzkampf sichtbarer als im Einzelhandel. Hatte dieser in den letzten Jahren bereits mit dem Phänomen Online-Shopping zu kämpfen, sieht er sich nun mit einer neuen Welle von digital versierten Wettbewerbern konfrontiert, verbunden mit anderen äußerst komplexen Herausforderungen.

Einzelhändler hatten schon immer hohe Ansprüche zu erfüllen. Heute aber stehen sie mehr denn je unter Druck, die Aufmerksamkeit der Menschen zu behalten. Besonders wichtig ist die Fähigkeit, ein nahtloses Omnichannel-Einkaufserlebnis zu bieten.

Mit Software einen Vorsprung gewinnen

Es verwundert daher nicht, dass sich in den letzten Jahren speziell entwickelte Retail-Management-Lösungen einer wachsenden Beliebtheit erfreuen, um diese Herausforderungen zu meistern.

Dabei handelt es sich um hochentwickelte Systeme, die annähernd alle Geschäftsprozesse automatisieren – von HR und Beschaffung bis hin zu finanziellen Abläufen. Sie sind zudem in der Lage, Lieferketten zu verwalten (sowohl intern als auch extern mit Lieferanten) sowie Produkt- und Preismanagement in Echtzeit bereitzustellen.

Retail-Management-Lösungen haben viele Unternehmen, Einzelhändler und andere – massiv vorangebracht. Sie übernehmen die Steuerung der geschäftlichen Grundfunktionen und ermöglichen es den Unternehmen so, sich auf die „wichtigen Dinge“ wie Wachstum und Innovation zu konzentrieren. Aber wie andere größere Technologie-Updates auch, ist die Umstellung auf ein solches System nicht ohne Herausforderungen. Wir bei Expleo haben dies aus erster Hand erfahren, da wir schon zahlreiche Einzelhandelskunden bei diesem schwierigen, aber sehr lohnenden Übergang unterstützt haben.

Raus mit dem Alten, rein mit dem Neuen

Eines der häufigsten Hindernisse ist, dass die Einführung eines Retail-Management-Systems durch die Möglichkeiten und Grenzen der vorhandenen technischen Ausstattung des Einzelhändlers behindert wird.

Die zunehmende Digitalisierung in der Branche hat eine Flut neuer Technologien auf den Markt gebracht. Sie alle versprechen, das Kundenerlebnis zu verbessern und die Effizienz zu steigern. Eine Folge: Einzelhändler müssen sich im Laufe der Jahre auf einen „Mischmasch“ von Nischen-Tools und -Anbietern verlassen. Die daraus resultierende Herausforderung ist, dass die meisten Einzelhändler wegen der damit verbundenen Kosten und des Zeitaufwands nicht ihre gesamte IT-Landschaft auflösen und komplett neu beginnen wollen.

Das bedeutet, dass in der Regel neue und bestehende Technologien integriert werden müssen. Bei Expleo ist es unser tägliches Brot, Unternehmen bei der Implementierung oder Automatisierung von technischen Prozessen zu unterstützen. Und obwohl dies ein sehr komplexer Prozess ist, sind die Erfolge unbestreitbar, insbesondere im Einzelhandel.

Wir stellen regelmäßig fest, dass sich einige Altsysteme nicht ohne Weiteres mit neuer Technologie integrieren lassen. Manchmal ist die Migration zu komplex oder zu kostspielig, so dass es sich nicht lohnt, sie zu verfolgen. In anderen Fällen verliert die Technik einfach ihre Funktionalität. Das kann bedeuten, dass man sie später entfernen muss, was sehr teuer ist und bestimmte Prozesse zunichtemachen kann. Um dies zu vermeiden, empfehlen wir immer, vor dem Projektstart ein vollständiges Audit des bestehenden Technologie-Stacks durchzuführen. In der schnelllebigen Welt des Einzelhandels ist dies jedoch oft leichter gesagt als getan.

Keine Einheitslösung

Einzelhändler sind nicht alle gleich und deshalb gibt es bei Retail-Management-Systemen auch keine “Einheitslösung” – trotz der Tiefe und Breite der Plattform. Es gibt also Umstände, in denen diese die richtige Wahl für ein Unternehmen sein könnte, aber um das Beste daraus zu machen, müssen wir bei der Implementierung möglicherweise Anpassungen vornehmen. Dies fügt im Betrieb eine weitere Ebene der Komplexität hinzu und kann bedeuten, dass zusätzliche Betreuung erforderlich ist.

Im Fall eines Einzelhändlers, mit dem wir bei Expleo zusammengearbeitet haben, war die Geschäftsentwicklung so komplex, dass das System, das wir zu implementieren versuchten, nicht ausreichte, um diese Komplexität zu bewältigen. Also übernahmen wir im Auftrag des Kunden die Rolle eines unabhängigen Testpartners für die Qualitätssicherung während der Design- und Entwicklungsphase, in der ein vom Kunden gewählter Partner die neue, funktional erweiterte und maßgeschneiderten Lösung aufbaute.

Expleo testete diese Lösung fast von Anfang an bis zur Fertigstellung und Implementierung. Sie bildet die sehr komplexen Endbenutzer- und Geschäftsprozessabläufe ab, während sie gleichzeitig über die API-Technologie mit der Software als Hauptmotor interagiert. Gerade in solchen Fällen kann es sich auszahlen, auf die Expertise von Technologie- und Engineering-Experten außerhalb des eigenen Unternehmens zurückzugreifen.

Mächtig, aber nicht unbesiegbar

Die finale Herausforderung kommt mit dem Testen.

Die schiere Komplexität der heute auf dem Markt befindlichen Retail-Management-Lösungen führt dazu, dass immer mehr Dinge schiefgehen können – sowohl in der Implementierungsphase als auch im weiteren Verlauf. Es gilt die Risiken zu minimieren, um sowohl in der Zeit bevor das System in Betrieb genommen wird als auch später vor bösen Überraschungen geschützt zu sein.

End-to-End-Tests der Plattform und ihre Integration in die Geschäftsabläufe sind von zentraler Bedeutung, wenn sichergestellt werden soll, dass diese später so funktioniert wie sie soll. Oft erfordert dies die Zusammenarbeit mit einem unabhängigen Qualitätssicherungsanbieter. Bei Expleo automatisieren wir diesen Prozess für unsere Kunden, um der Komplexität und Geschwindigkeit der Technologieentwicklung und der Release-Zyklen Rechnung zu tragen.

Automatisiertes Testen sichert nicht nur die Qualität, sondern schafft Mehrwert, indem es sofortige Geschwindigkeits- und Effizienzgewinne ermöglicht. Zunächst durchforstet man mit maschinellem Lernen das Testaufkommen und ermittelt aus den Daten die Testfälle mit der höchsten Priorität. Anschließend analysiert die künstliche Intelligenz diese Daten in Echtzeit, sodass wir auf Risiken reagieren können, bevor sie zu Problemen werden.

Dies ist nicht nur ein effizienter Weg zur Risikominimierung, sondern kann zugleich eine enorme Kostenersparnis bedeuten. Wir hatten schon Unternehmen, die zugaben, Buchhalter für den Test von Routinen in Oracle Financials einzusetzen. Durch automatisiertes Testen entfällt diese Notwendigkeit und diese Mitarbeiter können ihre Zeit wieder für wertschöpfende Aufgaben nutzen.

Harte Arbeit zahlt sich aus

Einzelhandelsunternehmen sind enorm komplexe Organisationen, gerade deshalb kann die Einführung einer Retail-Management-Lösung große Wirkung zeigen. Aber nur unter fachkundiger Anleitung. Der Blick auf Unternehmen wie Woolworths zeigt dagegen, dass halbherzige Modernisierungen oft in Tränen enden. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen digitalen Transformation liegt in der Partnerschaft. Diese Projekte leben vom Vertrauen auf die Unterstützung von Softwareingenieuren, externen Technologieberatern und dem eigenen IT-Team, mit denen das Projekt erfolgreich bis zum Ende durchgezogen werden kann. Ist diese harte Arbeit erst einmal getan, folgen die Belohnungen schnell.

Stephen Burnley ist Client Delivery Manager bei Expleo. Mit mehr als dreißig Jahren Erfahrung im Einzelhandel arbeitete Stephen in den letzten drei Jahren in der Zentrale eines der größten britischen Fast-Fashion-Unternehmen und verantwortete dort wesentliche Teile eines Oracle-Projekts.