Clair Karlsson, Head of Operations, betreibt „Women in Engineering and Business (WEB)“, eine Plattform zur Unterstützung von Frauen bei Expleo. Das Netzwerk ist ein geschützter Raum, in dem Frauen frei über Probleme in ihrer täglichen Arbeit sprechen können. Anlässlich des Weltfrauentags erklärt Clair, warum sie die Gruppe gegründet hat und warum die Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter, die sie ihm Laufe ihrer eigenen Karriere erlebt hat, noch lange nicht ausreichen.

Unsere Gruppe entstand eher durch die Umstände als durch einen großen Plan. Ich war zu der Zeit die einzige weibliche Führungskraft im Büro, etwas älter und erfahrener. Einige der Frauen im Büro, nicht nur aus meinem Team, kamen auf mich zu und baten um Rat bei bestimmten Problemen mit Kollegen oder Vorgesetzten.

Daraus wurden Treffen, für die wir zunächst unsere Mittagspause nutzten. Die Kolleginnen brachten ihre Sandwiches mit und wir unterhielten uns einfach über alle Probleme, teilten unsere Gefühle und Sorgen. Ich bot eine Reihe von „Dienstleistungen“ an, wie beispielsweise Coaching und Mentoring, Persönlichkeitsentwicklung, Vernetzungsmöglichkeiten und Ratschläge zur Arbeit in einem männerdominierten Umfeld. Ich half dabei, Konflikte am Arbeitsplatz auszuräumen und gab Ideen weiter, wie das Wohlbefinden von Frauen verbessert werden könnte.

„WEB bietet eine sehr spannende, einladende und unterstützende Plattform für Frauen, auf der sie sich wohlfühlen und über Themen sprechen können, mit denen sie in ihren alltäglichen Rollen konfrontiert sind. Auch bei Schwierigkeiten mit männlichen Kollegen oder bei der Planung ihrer Karriere. Für Clair, die ihrer Aufgabe viel Zeit und Aufmerksamkeit widmet, ist dies keine gewöhnliche Aufgabe. Ihre Einblicke sind von unschätzbarem Wert.“

WEB-Teilnehmerin

Mein Vorgesetzter erkannte, wie positiv sich das auswirkte und fragte mich, ob ich das Netzwerk auf die gesamte Organisation erweitern könnte. Als Namen wählten wir: Women in Engineering and Business (WEB). Die einstündigen Sitzungen waren stärker strukturiert. Ich begann mit Training und Mentoring, darunter auch wie man durchsetzungsstärker sein kann ohne aggressiv zu werden. Auch erläuterte ich das „Farbrad“ als Methode, um besser auf unterschiedliche Persönlichkeiten eingehen zu können. Über diese Managementtechniken können Frauen in männerdominierten Situationen oder Umgebungen mehr Stärke und Handlungsfähigkeit entwickeln. Anschließend habe ich jeweils eine offene Diskussion angeregt und zugleich angeboten, auf Wunsch auch persönliche Einzelgespräche zu führen.

Behalt Deine Gefühle für Dich

Meine Karriere begann 1989 mit einer Ausbildung bei einem britischen Flugzeughersteller. Es war ein sehr prestigeträchtiges Programm, an dem noch zehn andere junge Frauen teilnahmen. Soweit ich weiß, bin ich die Einzige, die immer noch in einer technischen Funktion arbeitet. Das zeigt, wie hart es ist, in dieser Branche voranzukommen. Bei meinem ersten Praktikum nach der Universität kam ich in ein Team von 240 Konstrukteuren – als einzige Frau. Es war gruselig. Damals wurden Universitätsabsolventen von den technischen Zeichnern abgelehnt – für mich kam es also doppelt hart.

Ich habe schnell gemerkt, dass Frauen anders behandelt werden. Das ist einfach so. Ich musste meine Gefühle für mich behalten. Wenn du wütend wirst, sagen sie, dass du überreagierst. Wenn du den Tränen nahe bist, dann verlierst du ihren Respekt. Sie haben das Gefühl, dass sie gewonnen haben. Es ist jetzt einfacher, weil ich Managerin bin. Aber ich kann verstehen, dass viele Frauen nicht bei dem Beruf bleiben, der ihnen Spaß macht. Das ist traurig.

Vieles an dieser Einstellung resultiert aus der Art und Weise, wie einzelne Männer erzogen wurden. Ich sehe das also nicht als ein organisatorisches Versagen. Ich freue mich, dass Expleo sich verpflichtet hat, jeder und jedem innerhalb unserer Gruppe die gleichen beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen – einschließlich mehr weiblichen Talenten in Führungspositionen – und Vorurteile im Geschäftsalltag zu bekämpfen. Die Branche hat schon einen weiten Weg zurückgelegt, seit ich zu ihr gestoßen bin – allerdings von einem sehr niedrigen Niveau kommend. Im Jahr 2021 gibt es null Toleranz gegenüber sexueller Belästigung oder körperlicher Gewalt. Aber gibt es weiterhin Ungleichheit? Ja, absolut. Tatsächlich geben 46 % der Frauen in der europäischen Technologie-Branche an, dass sie Diskriminierung erfahren haben.

Öffentliche Wahrnehmung

Es gibt nach wie vor jede Menge männlicher Ingenieure, deren Meinung durch ihr Geschlechterbild verzerrt wird. Es ist schwer damit umzugehen. Natürlich ist das nicht nur eine Herausforderung im Engineering. Ich denke, wir alle kennen die Situation, in der sich Autoverkäufer oder Elektriker schwertun, uns in die Augen zu blicken oder darauf bestehen, stattdessen mit unserem Partner zu sprechen.

Warum habe ich durchgehalten? Ich denke, das verdanke ich meiner schwedischen Erziehung. Ich hatte immer die Freiheit, an den Leitungen und Geräten im Haus herumzubasteln. In den skandinavischen Ländern gibt es weniger geschlechtsspezifische Unterschiede, was einen Männer- oder Frauenberufe angeht. Meine Eltern fanden es keine Sekunde lang seltsam, dass ich Ingenieurin werden wollte.

WEB engagiert sich auch in Schulen und wirbt bei Mädchen für das Ingenieurwesen. In Großbritannien, das einen der niedrigsten Frauenanteile im Ingenieurwesen hat (12 %), wissen viele gar nicht, was Ingenieurwesen eigentlich ist. In der Fernsehwerbung ist die Rede von Heizungs-Ingenieuren, Auto-Ingenieuren, Installations-Ingenieuren usw. Nein, es sind Techniker, Mechaniker und Klempner! Das sind keine Ingenieure! Aber junge Mädchen denken, dass Ingenieurinnen ölverschmierte Overalls tragen und schmutzige Fingernägel haben. Wir sagen ihnen, dass ein echtes Ingenieurstudium genauso anspruchsvoll ist, wie der Arztberuf. Eine Ingenieurin verbringt die meiste Zeit in Großraumbüros vor leistungsstarken Computern, erfindet, konstruiert und löst Probleme. Oft fällt dann der Groschen und wir haben den Mädchen die Augen geöffnet.

In anderen Ländern ist es rechtswidrig, sich ohne die entsprechende Qualifikation Ingenieur zu nennen. Warum halten wir das in Großbritannien nicht auch so? Das würde wahrscheinlich einen großen Aufruhr auslösen. Aber es würde auch das Image des Ingenieurwesens in den Augen der Mädchen verbessern, die dann dringend benötigte, andere Perspektiven einbringen können, um die Herausforderungen von morgen zu meistern. Wir müssen dieses Zeichen setzen, weil sonst die ewig alten Vorurteile weiter bestehen.