26. Juni 2018 – von Craig Thielen
Das Wort „agil“ scheint heute allgegenwärtig. Artikel im Netz, Wirtschaftsmagazine und Weiterbildungs-Anbieter loben Agilität als Weg zu beträchtlicher Profitabilität, Produktivität und allgemeinem Erfolg. Aber ist das alles, wozu Agilität gut sein soll? Und wenn dem so ist, wie können wir die ursprünglich für die Software-Landschaft entwickelten Prinzipien der Agilität  für die Wirtschaft umsetzen?

Es besteht kein Zweifel daran, dass sich die Art und Weise, Geschäfte zu machen, in den letzten 30 Jahren dramatisch verändert hat. Nicht zuletzt ist das zurückzuführen auf die moderne Technik und ihre Auswirkungen auf fast jede Branche und jeden Beruf. Alle Branchen, nicht nur im technologischen Bereich, sind mit extremen Veränderungen bis hin zur Disruption in einem bisher unbekannten Ausmaß konfrontiert. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich jedes Unternehmen verändern.

Diese Transformation ist für manche einfacher als für andere, was hauptsächlich von der Denkweise und der Einstellung des Managements abhängt.

Diejenigen, die eine Veränderung nicht nur wünschen, sondern kontinuierlichen Wandel als Teil ihrer Kultur und Denkweise begreifen, sind in der Lage, diese Transformation wesentlich einfacher umzusetzen.

Und es besteht auch kein Zweifel daran, dass Führungskräfte, die eine Veränderungskultur unterstützen, häufig eher „am Puls“ ihrer jeweiligen Branche sind. Dadurch erkennen sie Bedrohungen und Chancen für ihr Unternehmen früher und können entsprechend agieren – bevor aus einer Bedrohung Wirklichkeit wird.

Ein weiterer Faktor, der den Wandel in verschiedenen Branchen beeinflusst, sind die Verbraucher. Im Industriezeitalter wurden die Produkte nach den Vorgaben hergestellt, die für das Unternehmen relevant waren. Die Vorlieben der Verbraucher spielten eher eine untergeordnete Rolle. Ford zum Beispiel bot sein legendäres „Model T“ in jeder Farbe an, die der Kunde wünschte, solange diese „schwarz“ war. Heute, im digitalen Zeitalter, würde ein Unternehmen mit dieser Einstellung kaum das erste Quartal überstehen. Heute beeinflussen die Kunden, wie und was produziert wird, und sie diktieren die Bedingungen.  Unternehmen müssen sich ständig an die sich verändernden Wünsche und Erwartungen ihrer Kunden anpassen. Diese Fähigkeit, auf interne und externe Faktoren zu reagieren und sich entsprechend zu ändern, ist das Herzstück von Business Agility.

Wie erreichen wir Agilität?

Ein systembezogener Denkansatz ist der Ausgangspunkt für alle, die eine auf Agilität ausgerichtete Geschäftsstrategie verfolgen möchten. Weil dabei das gesamte Unternehmen als System betrachtet wird, müssen Sie sich selbst in den Grundwerten des Unternehmens verankern, um sich strategisch ausrichten zu können. Ist dies erreicht, was allerdings bei der Mehrzahl der Firmen heute noch nicht der Fall ist, kann die Geschäftsführung die notwendigen Strukturen für die Agilität implementieren. Diese ermöglichen dann die höchste Wertschöpfung und den besten Output aus dem wichtigsten Firmenkapital, den Mitarbeitern. Sie sollten wissen, wo Ihre Schwächen liegen, bevor Sie ein Programm zur Selbstoptimierung beginnen. Genauso wichtig wie der Blick nach innen ist auch das externe Feedback.

Unternehmen müssen reaktionsschnell, anpassungsfähig und in der Lage sein, ihre Produktionsleistung in viel kürzerer Zeit zu ändern als jemals zuvor. Um dies zu erreichen, müssen wir neue Arbeitsmethoden etablieren, mit kleinen, leistungsfähigen Teams. Wenn man Strategie, Kultur und Ausrichtung einer Firma als ihr Skelett betrachtet, werden diese leistungsstarken Teams zu den Muskeln, die sich täglich bewegen und so an Stärke gewinnen.

Mit einem kräftigen Skelett und wachsenden Muskeln kann das System oder das Unternehmen die zunehmende Vielzahl von Technologien ausschöpfen, um Chancen zu ergreifen oder Bedrohungen zu begegnen.

Technische Fähigkeiten und technologische Expertise könnte man sich als das Nervensystem vorstellen, das in Echtzeit für schnelle Reaktionsfähigkeit und Feedback sorgt.